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Die AVN Abfallverwertung Niederösterreich Gesellschaft m.b.H & Co KG setzt in ihrer thermischen Abfallverwertungsanlage beim flurfreien Transport und Handling auf eine Komplettlösung von Demag Cranes & Components.
Drei Zweiträger-Greiferkrane haben den Müll und die Schlacke "im Griff": Zwei von ihnen bewirtschaften den Müllbunker, indem sie Material
ein- und umlagern, den Müll mischen und ihn den Ofenlinien zuführen; der dritte Kran verlädt die anfallende Schlacke auf Bahnwaggons. Eine weitere Besonderheit dieser fördertechnischen Anlage
ist der s.g. Wartungsdom, in den man die Müllbunkerkrane für Servicearbeiten hochzieht.
Im Hinblick darauf gründete das Land Niederösterreich 1994 in einer Kooperation mit dem regionalen Energieversorger EVN AG die AVN Abfallverwertung Niederösterreich Gesellschaft m.b.H & Co KG. Heute betreibt die inzwischen hundertprozentige Tochter der EVN AG eine zentrale thermische Abfallverwertungsanlage in Zwentendorf/Dürnrohr. Ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam sah diese Methode nach umfangreichen Machbarkeitsstudien als die ökologisch Sinnvollste an.
Die mit einem Investitionsvolumen von 145 Millionen Euro errichtete thermische Abfallverwertungsanlage ist ca. 60 Meter lang, 27,5 Meter breit und 57 Meter hoch. Sie besteht im
Wesentlichen aus einem Verbrennungsofen, einem Abhitzekessel zur Energiegewinnung und einer dreistufigen Rauchgasreinigungsanlage. Durch das Verbrennen wird der Abfall unschädlich
gemacht und das Volumen des Mülls auf ein Zehntel reduziert. Die verbleibenden Rückstände stellen keine Gefahr für Mensch und Umwelt dar und können daher problemlos deponiert oder weiter
verwertet werden. Bei den Bürgern stieß der Bau der Abfallverwertungsanlage letztlich auf große Zustimmung, weil die AVN durch zahlreiche Aktivitäten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit über die
Müllproblematik des Bundeslandes und über das Thema Müllverbrennung aufklärte.
300.000 Tonnen Müll im Jahr
Die AVN beschäftigt 50 Mitarbeiter, die größtenteils aus dem Ort und den Nachbargemeinden stammen. Sie wurden bereits alle während der Bauphase eingestellt.
Dadurch konnten sie sich mit der Anlage vertraut machen, für deren reibungsloses Funktionieren sie verantwortlich sind. Die AVN behandelt jährlich 300.000 Tonnen Müll.
Dafür sind zwei Linien während des ganzen Jahres rund um die Uhr in Betrieb. Die täglichen fünf Schichten werden jeweils von fünf Mitarbeitern besetzt, die auch in die Inbetriebsetzung
eingebunden sind und durch regelmäßige Schulungen auf dem aktuellen Wissensstand bleiben.
Die niederösterreichischen Abfallwirtschaftsverbände, mit denen Verträge bestehen, liefern pro Jahr 160.000 bis 180.000 Tonnen Rest- und Sperrmüll der Haushalte des Landes an. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen für einen großen Kunden aus der Steiermark, von dem Industrie- und Gewerbeabfälle kommen. Damit ist die Anlage vollständig ausgelastet. AVN hat sich verpflichtet, 90 Prozent der Abfälle mit der Bahn zur Anlage zu transportieren. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass der ökologische Effekt, den man durch das Energiezusammenspiel mit dem Kohlekraftwerk Dürnrohr und die damit einhergehende Emissionsreduktion erreicht, durch den Transport des Mülls mit tausenden Lkw wieder zunichte gemacht wird.
Mit selbst entwickelten Containern und einem speziellen Containerkran-Entladesystem ermög-licht die AVN, dass der Müll sowohl durch Pressen als auch lose in die Container gefüllt und über einen Deckel in den Bunker entladen werden kann. Im Winter erleichtert die Technik zu-dem die Entladung, wenn der Müll im Container anfriert.
Ablauf ohne Kratzer
Zum Bewirtschaften des Müllbunkers und zum Verladen der während des Verbrennungsprozesses anfallenden Schlacke auf Waggons verwendet die AVN drei Zweiträger-Laufkrane der
Demag Cranes & Components. Die zwei Müllbunkerkrane mit einem Spurmittenmaß von 25,6 m und der Schlackekran mit 18 m sind in eine ebenfalls von Demag stammende Komplettlösung
eingebunden. Inhalt dieser Konzeption ist unter anderem die Bunkerbewirtschaftung nach Strategien, die sicherstellen, dass das Material automatisch eingelagert, vermischt, in andere Bereiche
umgelagert und den beiden Linien zugeführt wird. Außerdem liegt es in der Verantwortung der Demag, die vereinbarte Umschlagleistung zu erreichen.
Vollautomatische Müllanlieferung
Die Container werden von den anliefernden Bahnwaggons gehoben und in den mit 40.000 Kubikmeter Fassungsvermögen größten Müllbunker Europas entladen. Dort setzt AVN die beiden
vollautomatischen Müllbunkerkrane von Demag Cranes & Components ein, die während der Anlieferzeit gleichzeitig arbeiten. Die von einer übergeordneten Steuerung beauftragten Krane verfügen
über eine Tragfähigkeit von je 17 Tonnen. Da der Greifer 9,5 Tonnen wiegt, kann jeder Kran eine Nutzlast von 7,5 Tonnen transportieren. Die Krane räumen die Anlieferstellen frei und werfen den
Müll im Bunker aus einer hohen Position ab, damit er durch die Wucht des Aufpralls verteilt wird. Sperrige Teile werden zu einer Sperrmüllschere gebracht. Danach mischen die Krane den Müll,
um ihn zu homogenisieren und lagern ihn in einem zweigeteilten Stapelbereich ein. In einem dieser Bereiche rottet der Müll länger vor sich hin, was ebenfalls die Homogenisierung fördert.
Aus dem anderen Bereich werden pro Greifer jeweils rund zehn Kubikmeter Müll entnommen und an die zwei Linien übergeben, die zum Verbrennen führen. Durch die Homogenisierung wird dem
Kessel eine gleichmäßige Dampfmenge zugeführt, so dass der Verbrennungsprozess optimiert ablaufen kann.
Die Laufkatzen der Krane sind zusätzlich mit einem Hilfshubwerk ausgestattet, an das sich ebenfalls ein Greifer anhängen lässt. Mit diesem kann man die Trichterstopfen entfernen. Außerdem dient der Hilfsgreifer dazu, den bei Müllbunkerkranen zwingend vorgeschriebenen Rettungskorb anzuhängen, um gegebenenfalls Personen bergen zu können. Falls es notwendig ist, können die Automatikkrane auch manuell bedient werden.
Jeder der beiden Müllbunkerkrane lässt sich einzeln in den oberhalb des Bunkers eingerichteten Wartungsdom heben. Dort kann die AVN Servicearbeiten durchführen, ohne den zweiten Kran im Bunker zu stören. Abgesehen davon arbeitet das Wartungsteam in einer unbelasteten Umgebung. Der Kran wird von zwei MPW-Hubwerken von den Kranschienen in den Wartungsdom gehoben. Dessen als Arbeitsplattform dienender Boden fährt vorher auf und anschließend wieder zu. Damit sich der Kran schnell von seiner Bahn heben lässt, sind die betreffenden elektrischen Leitungen durch Stecker verbunden. Der Wartungsdom ist auf die Müllbunkerhalle aufgesetzt. Dort sind ein Standardkran und eine Einschienenkatze installiert, um Material in den Bereich zu bringen.
Schlackekran verlädt nicht brennbare Rückstände
Die dritte Krananlage nutzt die AVN zum Verladen von Schlacken und Kesselasche. Dabei handelt es sich um die bei der Müllverbrennung anfallenden, nicht brennbaren Rückstände.
Pro Tonne Müll bleiben 250 Kilogramm übrig, die inert, also gesteinsähnlich sind. Dieses Material lässt sich gefahrlos einsetzen, beispielsweise als Straßenschotter. Die Asche wird über
Förderbänder in einem 18 Meter langen und dreizehn Meter breiten Schlackebunker gesammelt und von dort mit dem Schlackekran in Bahnwaggons geladen, die zu einer Deponie fahren.
Der Kran, der mit einem Zweischalen-Motorgreifer versehen ist, hat eine Tragfähigkeit von zwölf Tonnen und kann, unter Berücksichtigung des Greifergewichts, eine Nutzlast von sieben Tonnen
aufnehmen.
Know-how entschied bei der Auftragsvergabe
Zu den Anforderungen, die die AVN vor der Auftragsvergabe an Demag stellte, gehörte eine Umschlagleistung von 115 Tonnen pro Stunde. Außerdem war sicherzustellen, dass der Müll in der
benötigten Form vorgemischt wird und die Krane der Kapazität der beiden Linien entsprechen. Auf diesen Vorgaben basierten die Berechnungen für die Größe der Krane und der Greifer.
Ferner sollte beim Energieverbrauch der Wert von 87 kWh nicht überschreiten werden.
Darüber hinaus war eine hohe Verfügbarkeit gefragt, denn die Krane sind rund um die Uhr im Einsatz, wobei die Müllbunkerkrane vor allem in der Anlieferungszeit im Vollbetrieb fahren. Vereinbart wurde eine Verfügbarkeit von 97 Prozent für die Müllbunkerkrane und von 94 Prozent für den Schlackekran. Vor der Entscheidung sah sich die AVN Anlagen von Demag und von Mitbewerbern an. Ausschlaggebend waren letztlich gute Referenzen und das vorhandene Know-how, das aus der Ausstattung anderer Müllverbrennungsanlagen resultiert. Die Verhandlungen liefen über die Demag-Zentrale in Wetter/Ruhr. Dort wurden die Krane auch projektiert und gefertigt. Die österreichische Tochtergesellschaft der Demag Cranes & Components hat die Krane dann montiert.
Die Zusammenarbeit mit Demag im Angebots- und Vergabestadium sowie während der Montage und Inbetriebnahme bezeichnet die AVN als reibungslos und sehr positiv. Hervorzuheben sei vor allem das Personal vor Ort, das den Vorstellungen des Betreibers, beispielsweise im Hinblick auf Reaktionszeiten, voll entsprach.