

| von A - H |
Airbus A380-Rumpfschalen an Demag-Kranen
Die Airbus Deutschland GmbH fertigt in Nordenham Rumpfschalen des neuen Großraumflugzeugs A380. Diese Teile des künftigen "Flaggschiffs der Lüfte" erfordern sanfte Abläufe,
vor allem wenn sie geschwenkt werden. Für das Handling der Schalen wählte man daher Zweiträger-Laufkrane der Demag Cranes & Components, die fünf Bewegungsrichtungen der Last
gleichzeitig koordinieren können.
Die Rumpfschalen werden unter anderem für den Bau der Rumpfsektionen des Großraumflugzeugs verwendet, dessen Erstflug für 2005 geplant ist. Zunächst war die Frage zu beantworten,
wie die Rumpfschalen sicher aus einer senkrechten in eine waagerechte Lage und zurück geschwenkt werden können und wie sie sich absetzen und wieder aufnehmen lassen.
Da die Schalen bis zu 10,8 Meter lang, 6,7 Meter breit und 2,3 Meter hoch sind und maximal 1,6 Tonnen wiegen, müssen sie beim Handling an vier Punkten hängen. Schließlich entwickelte
Airbus gemeinsam mit Demag eine Lösung mit Zweiträger-Laufkranen, in die Erfahrungen aus dem Airbus-Werk Hamburg einflossen.
Damit die Krane fünf Bewegungsrichtungen der Last parallel koordinieren können, stattete sie Demag mit einer Drehkatze aus. An dem drehbaren H-Rahmen verfahren zwei Traversierkatzen mit einer Spurbreite von sieben Metern. Unterhalb der gut elf Meter langen Traversierträger laufen je zwei Unterflanschkatzen, die die Last an vier Stellen halten. Die restlichen Bewegungsrichtungen entfallen auf den Kran sowie auf das Heben und Senken.
Zwei der Zweiträger-Laufkrane bringen Hautfelder zu einer Fügestation, schwenken sie aus ihrer senkrechten Lage in die Waagerechte und übergeben sie an die Station. Dort fügt Airbus drei bis fünf Hautfelder zu einer Schale zusammen; dann folgt der Nietprozess. Danach nimmt der dritte Zweiträger-Laufkran die komplette Schale aus der Fügestation, dreht sie erneut senkrecht und stellt sie auf ein fahrerloses Transportfahrzeug, das zum Konservieren durch eine Oberflächenanlage taktet. Im Anschluss daran setzt der Kran das Bauteil vom Fahrzeug auf das Transportgestell eines speziellen Seecontainers, in dem es zur Sektionsmontage im Werk Hamburg verschifft wird.
Durch Frequenzumrichter, die eine hohe Positioniergenauigkeit sowie stufenlose Fahrgeschwindigkeiten der Katzen und des Krans ermöglichen, verhindert Demag sowohl ein übermäßiges Pendeln der Last als auch Schwingungen, die die Schalen schnell beschädigen könnten. Außerdem sind Sicherheitsfunktionen in die Steuerung eingebaut, beispielsweise eine Gleichlaufregelung. Die aktiviert sich, nachdem alle vier Seile zunächst mit der geringen Kraft von nur 35 Kilogramm straff angezogen wurden. Andernfalls träte der Segeltucheffekt auf. Dabei käme es zu Verwindungen mit entsprechenden Beschädigungen. Ein ergänzendes, mit Lichtschranken arbeitendes Sicherheitssystem beugt Kollisionen der Schalen mit der Drehkatze vor. Zusätzlich hat Demag eine Sicherheitsbremse in die Seilzüge integriert, die bei einem Getriebebruch die hochwertige Baugruppe sicher halten würde.
Insgesamt setzt Airbus drei der kundenspezifisch zugeschnittenen Zweiträger-Laufkrane von Demag mit je viermal 2,5 Tonnen Tragfähigkeit ein, zwei in der Großschalenmontage, mit Spurmittenmaßen von rund 37 und 39 Meter, sowie einen im Schalenversand, mit einer Spannweite von etwa 32 Meter. Aufgrund der Bauweise der Krane, deren Achsgeometrien unterhalb der Hauptträger angeordnet sind, wird die Fläche der Halle optimal genutzt. Die Krane fahren mit Geschwindigkeiten von null bis 40, die Katzen mit null bis 30 Meter in der Minute. Beim Heben liegen die Werte mit und ohne Last bei null bis acht beziehungsweise null bis 16 Meter. Die Traversier- und Unterflansch-Katzfahrgeschwindigkeiten sind auf fünf Meter pro Minute begrenzt. Durch die stufenlose Drehbewegung von bis zu 0,8 Umdrehungen pro Minute können Bauteile millimetergenau positioniert werden.
Neben den Zweiträger-Laufkranen verwendet Airbus vier Zweiträger-Hängekrane von Demag. Diesen Krantyp benötigt der Flugzeughersteller, weil er damit besonders knappe Anfahrmaße an den Hallengrenzen erzielt, wenn er das benachbarte Hochregallager ver- und entsorgt.
Die Krananlagen des Projektes nahmen ihre Tätigkeit zwischen dem Frühjahr 2002 und dem Ende des ersten Quartals 2003 auf. Zu den Kriterien hinsichtlich der Auftragsvergabe an Demag Cranes & Components zählten die räumliche Nähe und die daraus resultierende Garantie für eine schnelle Reaktion bei einer möglichen Störung. Hinzu kamen die positiven Erfahrungen partnerschaftlicher Zusammenarbeit in den letzten 15 Jahren. Am wichtigsten war allerdings die Zusage von Demag, die verlangte, sehr kurze Lieferzeit einzuhalten.
Demag Cranes & Components GmbH
löst Materialfluss-, Logistik- und Antriebsaufgaben mit dem weltweit umfassendsten Produkt- und Leistungsprogramm für Betriebe aller Größenordnungen - vom Handwerk über den Handel
bis hin zum industriellen Großunternehmen.
Mit der Produktpalette der drei Geschäftszweige Krane, Handling Technology und Antriebstechnik bietet das Unternehmen besondere Branchenlösungen für Fahraufgaben,
die Lastenhandhabung am Arbeitsplatz sowie den Materialfluss in Produktion und Lager. Der vierte Geschäftszweig widmet sich dem After Sales Business und sichert mit seiner
kompletten Dienstleistungspalette die wirtschaftliche Anwendung von Demag-Produkten und damit eine dauerhafte Kundenzufriedenheit. Das größte After-Sales-Service-Netz
der Branche sichert österreichweit kundennahe Präsenz.
Mit einem Geschäftsvolumen von 667 Mio. Euro in 2002/2003 ist Demag Cranes & Components, Wetter an der Ruhr (BRD), Weltmarktführer mit einer gebündelten Gesamtkompetenz
für fördertechnische Komponenten, Krane und Hebezeuge. In den fünf deutschen Standorten sowie 20 Auslandsgesellschaften sind insgesamt 6.332 Mitarbeiter (Stand 30.09.2003) beschäftigt.
Die österreichische Tochtergesellschaft, mit Sitz in Salzburg, erzielte mit 135 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2002/2003 ein Geschäftsvolumen von ca. 27 Mio. Euro.