

| Immer dicht am Ball |
Durch vier Hubwerke, die einen Medienwürfel direkt über dem Anstoßkreis der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main heben und senken, ist Demag Cranes & Components bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland dicht am Ball. Der Würfel hat zwei Aufgaben. Er versorgt die Zuschauer mit Bildern und weiteren Informationen. Und er nimmt bei gutem Wetter die Dachfolie auf, die sonst das Spielfeld schützt.
Lieferant des Medienwürfels ist die Sauernheimer GmbH, die 1926 als kleiner Elektrobetrieb in Nürnberg gegründet wurde. Die Produktpalette des Familienunternehmens, das 25 Mitarbeiter beschäftigt, reicht von maßgeschneiderten Lichtwerbeanlagen für den Außen- und Innenbereich über Effektbeleuchtung und stilvolle Einrichtungsaccessoires bis hin zu großen Medienwürfeln. Diese findet man inzwischen in ganz Europa. Das bislang größte LED-Videodisplay mit 144 qm Bildfläche hat Sauernheimer in Dublin installiert.
Hubwerke ermöglichen "bewegende Momente"
Ein ganz besonderer Medienwürfel von Sauernheimer schwebt an vier Hubwerken von Demag Cranes & Components über der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main. Die neue Arena, die heute am Platz des legendären Frankfurter Waldstadions steht, wurde für Sport, Konzerte, Business-Events und Großveranstaltungen aller Art gebaut. Je nach Nutzung kann das FIFA-WM-Stadion bis zu 55.000 Zuschauer aufnehmen. Ein Highlight ist dessen Stahl-Seil-Membran-Innendach, das weltweit größte seiner Art. Von insgesamt 37.500 Quadratmeter Dachfläche entfallen 9.000 Quadratmeter auf das Innendach, das witterungsabhängig geöffnet oder geschlossen wird.
Der Medienwürfel hängt über dem Mittelkreis an einem Zentralknoten, an dem alle Tragseile des Daches zusammenlaufen. Er wiegt insgesamt 38 Tonnen. Knapp 28 Tonnen des Gewichts entfallen auf den verfahrbaren Teil, der Rest auf Antriebe und auf den Stahlbau, über den sich der Würfel mit dem Zentralknoten verbinden lässt. Der Medienwürfel hat eine Bilddiagonale von 8,5 Meter. Die Kantenlänge beträgt oben elf und unten 9,2 Meter. Dadurch sind die Displays um acht bis neun Grad geneigt, sodass die Zuschauer die Bilder und Informationen besser sehen können. Zur brillanten Sicht von allen Plätzen tragen die insgesamt rund 150.000 roten, gelben und blauen LED-Lämpchen bei, die sich jeweils auf den vier nahezu 31 Quadratmeter großen Anzeigetafeln befinden.
Bevor das Dach über dem Fußballfeld geöffnet oder geschlossen werden kann, senken die vier Demag-Hubwerke den Medienwürfel auf einen entsprechenden Befehl hin automatisch auf 19 Meter ab. Der Würfel nimmt das gefaltete Innendach auf. Anschließend kehrt er wieder auf seine ursprüngliche Höhe von 26 Meter über dem Spielfeld zurück. In umgekehrter Richtung ist der Ablauf entsprechend. Das Öffnen und Schließen des Daches dauert etwa je eine Viertelstunde.
Parallellauf garantiert
Ursprünglich hatten die Architekten an einen Medienwürfel gedacht, der lediglich über sieben bis acht Meter absenkbar sein sollte. Das hätte gereicht, um das Innendach aus der Einhausung herausholen und es auch wieder hineinfahren zu können. Von der Sauernheimer GmbH kam die Idee auf, den Würfel für Wartungsarbeiten soweit abzusenken, dass man von der Spielfläche aus hineingehen kann. Basierend auf dieser Idee entwickelte das Unternehmen ein Konzept mit Hebezeugen. Dies überzeugte die Betreibergesellschaft des Stadions, Sauernheimer bekam den Auftrag.
Daraufhin überlegten die Nürnberger zunächst, den Würfel mithilfe von Kettenzügen zu bewegen. Bei einem Gewicht von fast 28 Tonnen hätten sie aber mindestens acht dieser Hebezeuge einsetzen und synchronisieren müssen. Das Unternehmen wandte sich an Demag Cranes & Components um sich technische Lösungsmöglichkeiten erläutern zu lassen. Daraufhin entschloss man sich für die Lösung mit vier Seilzügen und arbeitete diese Lösung detailliert aus.
Bei der Auswahl der Hebezeuge entschied man sich für vier Hubwerke aus der Baureihe DH 1000 mit je 14 Tonnen Tragfähigkeit. Die insgesamt acht Seilstränge der Hubwerke haben Durchmesser von je 20 Millimeter. Der Hakenweg ist 30 Meter lang. Demag koppelte je zwei Hubwerke längs und diese beiden Einheiten dann noch einmal quer. Durch einen mechanischen Synchronlauf über Gelenkwellen und Winkelgetriebe sind parallele Bewegungen der gekuppelten Hubwerkseinheit garantiert. Ein zusätzlicher Kundennutzen: Sauernheimer kommt bei dieser Lösung mit zwei Hubmotoren aus. Verglichen mit den zuerst in Erwägung gezogenen acht Kettenzügen verringert sich dadurch der Wartungsaufwand.
Fahrbefehle aus der Regie
Die Befehle zum Heben, Senken und Verriegeln kommen aus einem Regieraum. Hieraus steuert der Betreiber auch Bild und Ton, die Dachverfahranlage und das Flutlicht. Wird ein entsprechender Befehl erteilt, verfahren die Hubwerke den Medienwürfel automatisch. Kontrolllampen zeigen dem Bediener dabei permanent an, in welcher Position sich der Videowürfel aktuell befindet.
Ist der Würfel in seiner Parkposition unter dem Dach eingerastet, bieten vier Fanghaken zusätzliche Sicherheit. Sie können das Gewicht des gesamten Würfels halten. In dieser Position sind die Hubwerke komplett entlastet, sodass sie auch gewartet werden können. Aus Sicherheitsgründen überwacht die Steuerung auch die Endlage der Verriegelung und erteilt, wenn diese erreicht ist, eine Freigabe. Andernfalls käme es zu einer Störmeldung.
Bevor der Würfel in eine Endstellung fährt, reduziert er seine Geschwindigkeit von vier auf 0,6 Meter pro Minute. Die Umschaltung erfolgt automatisch zwei Meter vor dem Ziel. Abgesehen davon hat Demag alle Hubwerke mit einer zweiten Bremse und mit Seilrollen anstelle von Unterflaschen sowie mit einer elektronischen Belastungskontrolle ausgestattet. In der abgesenkten Stellung wurde für den Medienwürfel die Wartungsposition zwei Meter über dem Spielfeld eingerichtet. Dadurch schließt man eine Beschädigung der Rasenheizung und die Gefährdung von Personen aus. Um Wartungsarbeiten zu vereinfachen lässt sich der Würfel auch über eine Steuerflasche bedienen.
Weil sich Personen unter der schwebenden Last aufhalten können, ist, abweichend von Industrieanwendungen, eine Auslegung der Hubwerke nach BGV-C1 notwendig und damit verbunden in jedem Jahr eine Sachverständigenprüfung erforderlich. Die Grundlage für die sichere Funktion des Medienwürfels legen aber schon die Wartungen, die der Kundendienst von Demag Cranes & Components in jährlichen Intervallen durchführt.
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